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Einführung in die Therapie Schritt-für-Schritt-Anleitung
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Kritik an der Therapie

Die ergebnislose Studie

1995 wurde an der University of Oregon eine Doppelblindstudie über die Therapie von Guaifenesin zur Behandlung von Fibromyalgie unter der Leitung von Dr. Robert Bennett durchgeführt. Dr. St. Amand wurde als ärztlicher Berater der Studie eingesetzt. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass Guaifenesin im Vergleich mit Placebo keinen signifikant höheren Wirkungsgrad hätte. Auch eine erhöhte Phosphatausscheidung konnte nicht festgestellt werden. Dr. Bennett kam deshalb zu dem Schluss, die Patienten von Dr. St. Amand würden einzig und allein aufgrund des Placebo-Effektes eine Verbesserung durch Guaifenesin erfahren, die Studie wurde nie wiederholt. Seit dieser Zeit haftet der Therapie von Dr. St. Amand das Etikett an, sie wäre eine Placebo-Therapie und hätte keinerlei Nachweis für Wirkung erbringen können. Das ist ein Grund, weshalb auch viele Ärzte die Therapie nicht ernst nehmen.

Dr. St. Amand hat daraufhin eine Stellungnahme zur Studie veröffentlicht. Die Punkte, auf die er dort eingeht, möchten wir gerne erläutern.

Salicylatvermeidung

1995 wussten Dr. St. Amand und sein Team bereits, dass Salicylate die Wirkung von Guaifenesin blockieren können, aber nicht in welchen Mengen. Sie gingen damals ausschließlich von Medikamenten wie Aspirin oder anderen Produkten mit reiner Salicylsäure als Wirkstoff aus. Pflanzenöle, -gele oder -extrakte wurden bei der damaligen Studie noch nicht nicht berücksichtigt. Kurz nach Veröffentlichung der Studie wurde Dr. St. Amand aber sein Fehler bewusst. Er betont seit einigen Jahren immer, wie wichtig es ist, sämtliche Salicylatquellen, die nicht über die Nahrung aufgenommen werden, konsequent zu vermeiden. Es ist gut möglich, dass 1995 ein Großteil der Studienteilnehmer blockiert war und so Guaifenesin überhaupt nicht wirken konnte. Immerhin stellt die Salicylatvermeidung eine der großen drei Säulen (richtige Dosis, Salicylatvermeidung, Hypoglykämiediät) dar.

Die richtige Dosis

Eine Studie kann nur relevante Ergebnisse erbringen, wenn alle Studienteilnehmer die gleiche Menge eines Medikaments einnehmen, andernfalls sind die Ergebnisse nicht vergleichbar. So nahmen damals alle Patienten 1200 mg Langzeitguaifenesin ein. Normalerweise wird die Guaifenesin-Therapie nach Dr. St. Amand mit einer niedrigen Dosis begonnen und bis zur individuell noch tolerierbaren Schmerzgrenze gesteigert. Im Rahmen dieser Studie war dies nicht möglich. Für einige Patienten waren schon 1200 mg eine zu hohe Dosis, sie brachen die Studie aufgrund vermehrter Schmerzen ab. Viele Menschen benötigen aber auch weitaus höhere Dosen als 1200 mg. Dr. St. Amand hatte jedoch nicht die Möglichkeit, bei diesen Patienten die Dosis zu steigern. Deshalb könnte wohl ein Großteil der Probanden noch gar keine Umkehrzyklen bekommen haben.

Hypoglykämie

Dr. Robert Bennett hatte von Dr. St. Amand die Anweisung bekommen, über Fragebögen Probanden mit Hypoglykämie vorab auszusieben und von der Studie auszuschließen, denn Teilnehmer mit Hypoglykämie hätten das Ergebnis der Studie verfälscht, da ihre Symptome durch Guaifenesin allein nicht gelindert worden wären. Es ist im Rahmen einer Studie äußerst schwer, das Essverhalten von Menschen zu kontrollieren. Wie Dr. St. Amand nachträglich feststellte, waren zwar vor Beginn der Studie Fragebögen verteilt worden, doch es waren auch Probanden zugelassen worden, die laut Dr. St. Amand eindeutig zusätzlich an Hypoglykämie litten. Bei diesen Patienten konnte Guaifenesin alleine nicht die Symptome beseitigen.

Größe der Studie

Am Ende der Studie waren pro Probandengruppe (Guaifenesin vs. Placebo) nur noch etwa 18 Teilnehmer geblieben. Dies ist eine sehr kleine Anzahl für eine Studie über die Wirkung eines Medikamentes. Nimmt man an, dass ein Teil Hypoglykämie hatte, ein anderer Teil blockiert war und noch ein Teil gar nicht die richtige Dosis hatte, ist die Studie an sich schon hinfällig.

Keine erhöhte Phosphatausscheidung feststellbar

Immer wieder fragen Guaifenesin-Anwender, ob denn nun unter dem Einfluss von Guaifenesin nicht eine erhöhte Phosphatausscheidung im Urin messbar sein müsste. Die Schwierigkeit ist, dass die Höhe der Phosphatausscheidung stark schwanken kann und von vielen Faktoren abhängig ist. So können Nahrung, Stress, Trinkverhalten, eine Krankheit, eingenommene Medikamente etc. die Phosphatausscheidung beeinflussen. Um wirklich einen messbaren Unterschied zu erkennen, müsste sowohl mehrmals vor Beginn der Therapie zu verschiedenen Tageszeiten über einen längeren Zeitraum die Phosphatausscheidung gemessen werden, als auch nach Beginn der Therapie. Dies hätte aber erst nach Erreichen der persönlichen Dosis einen Sinn.

Weiter betont Dr. St. Amand immer wieder, dass der Gendefekt, der eine verminderte Phosphatausscheidung bewirkt, eine reine Theorie ist, die er nicht beweisen kann, er aber für am wahrscheinlichsten hält. Er selbst sagt, dass es beim Erlangen neuer Erkenntnisse ebenso gut möglich ist, dass er selbst die Phosphat-Theorie für hinfällig erklärt. Dies ändert aber nichts an seiner Meinung im Bezug auf die Wirksamkeit von Guaifenesin bei Fibromyalgie.

Keine Nachweisbarkeit der Wirkung

Viele Menschen, darunter auch viele Ärzte, bezweifeln die Wirkung der Guaifenesin-Therapie im Bezug auf Fibromyalgie, da bisher kein Nachweis für ihre Wirkung erbracht werden konnte.
Dies ist eine paradoxe Situation. Wie lässt sich die Wirkung einer Therapie für eine Krankheit beweisen, die selbst nicht nachweisbar ist? Fibromyalgie ist nach wie vor eine Ausschlußdiagnose, wenn auch Würzburger Wissenschaftler vor kurzer Zeit eine Schädigung bzw. einen Rückgang kleiner Nervenfasern bei Fibromyalgie-Patienten eindeutig feststellen konnten. Möglicherweise sind diese Tests in naher Zukunft eine Diagnosemöglichkeit.
Dennoch ist gerade bei Fibromyalgie die Wirksamkeit einer Therapie ein rein subjektives Empfinden. Da Fibromyalgie bisher nicht über Laborparameter identifiziert werden kann, kann auch keine Therapie ihre Wirksamkeit über Laborparameter beweisen. Viele Menschen berichten, dass die Guaifenesin-Therapie ihnen nach Jahrzehnten des Leidens endlich Linderung bis hin zur Schmerzfreiheit bringen konnte. Ein Placebo-Effekt ist hier insofern sehr unwahrscheinlich, da viele Patienten auch in die zahlreichen Behandlungen zuvor ein berechtigtes Maß an Hoffnung investiert hatten und doch keine Verbesserung ihrer Situation erfahren haben. Dr. St. Amand ist unserer Kenntnis nach der einzige Arzt, der ausschließlich auf dem Gebiet der Fibromyalgie forscht und behauptet, tausende Patienten in die Beschwerdefreiheit geführt zu haben.

Guaifenesin ohne Nebenwirkungen?

Betrachtet man die Liste der Nebenwirkungen von Guaifenesin auf Wikipedia oder die Angaben für das Retardpräparat “Mucinex” erscheint es zunächst unverständlich, warum Dr. St. Amand immer wieder bekräftigt, dass Guaifenesin so gut wie keine Nebenwirkungen habe und völlig unbedenklich in der Einnahme sei.

Dr. St. Amand betreibt eine sogenannte Erfahrungsmedizin, d.h. er hat eine Theorie entwickelt und stützt sich in seinen Aussagen auf langjährige Beobachtungen. Die auftretenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei der Einnahme von Guaifenesin zur Therapie von Fibromyalgie führt er auf einen Prozess zurück, bei dem überschüssige Phosphate aus dem Körper gelöst und über die Niere ausgeschieden werden; da die Niere die Menge an Phosphaten nicht bewältigen kann, wird ein Teil der Phosphate wieder im Körper eingelagert. Dies verursacht eine Verstärkung der Fibromyalgiesymptome und kann zusätzlich bisher unbekannte Symptome hervorrufen. Interessanterweise stimmen die Angaben über die Häufigkeit der einzelnen Nebenwirkungen ungefähr mit der Anzahl der in der Bevölkerung geschätzten Fibromyalgiebetroffenen überein (bis zu 3%). Die Vermutung liegt nahe, dass Guaifenesin - vorausgesetzt es wäre frei von Nebenwirkungen - fälschlicherweise dennoch Nebenwirkungen zugeschrieben werden, weil es eben seine oben beschriebene Wirkung bei Fibromyalgiebetroffenen entfaltet, die mit einer Symptomverstärkung einhergeht.

Dies wird unterstützt von diversen Selbsttests: Immer wieder berichten Betroffene, dass sie die Wirkung von Guaifenesin anzweifelten und daher einen Freund oder Verwandten baten, testweise eine ähnlich hohe Dosis einzunehmen. Während sie selbst die von Dr. St. Amand beschriebene Schmerzverstärkung verspürten, blieb diese bei der nicht von Fibromyalgie betroffenen “Testperson” aus.

Allerdings berichten Betroffene immer wieder über Magenprobleme (Magenschmerzen, Sodbrennen und Übelkeit), die meistens mit der Zeit von selbst oder durch Einnahme mit den Mahlzeiten oder durch Wechsel auf ein anderes Guaifenesinpräparat verschwinden. Magenbeschwerden sind auch mit die einzigen Nebenwirkungen, die Dr. St. Amand tatsächlich als Nebenwirkungen in Betracht zieht. Dennoch hält er es auch für möglich, dass es ein "Reinigungszyklus" des Magens sein könnte.

Es ist schwer abzugrenzen, ob es sich bei diesen Symptomen um eine “Reinigung der Magenschleimhäute von Phosphaten” oder vielmehr echte Nebenwirkungen handelt, wie sie auch in den offiziellen Nebenwirkungen des Guaifenesin-Präparats “Mucinex” beschrieben werden.

Bitte fragen Sie im Zweifel Ihren Arzt oder Apotheker und nehmen Sie kein Medikament ohne ärztliche Absprache ein!

Die Therapie nach Dr. St. Amand - Alles nur Geldmache?

Nicht selten wird die Fibromyalgie-Therapie nach Dr. St. Amand mit dem Argument kritisiert es handele sich um “reine Geldmache”. Diesem Argument treten Betroffene, die von der Wirkung von Guaifenesin profitieren, entschieden entgegen.

Dr. St. Amand hat seine Theorie über die Behandlung zusammen mit konkreten Handlungsanweisungen in einem Buch niedergeschrieben und damit auch Betroffenen zugänglich gemacht, die nicht in der Nähe eines der wenigen Ärzte wohnen, die mit Guaifenesin behandeln. Eine regelmäßige Begleitung durch einen Arzt oder Heilpraktiker ist zwar ratsam, aber auf Grund der geringen Dichte an Behandlern nicht immer möglich. Viele Guaifenesin-Anwender führen die Therapie in Eigenregie durch und finden sich in Selbsthilfegruppen oder kostenlosen Internetforen zusammen. In diesem Fall entstehen keine Behandlungskosten bei der Therapie.

Dr. St. Amand hat aus seiner Therapie kein Ausbildungssystem etabliert und keine Honorarsätze für Behandler vorgegeben (was bei vielen anderen alternativen Therapien der Fall ist). Vielmehr betreibt das Team um Dr. St. Amand eine kostenlose Mailinglist (die sog. “GUAI-Group”), in der auf Fragen der Guaifenesin-Anwender eingegangen wird.

Guaifenesin selbst ist ein ursprünglich pflanzlicher Wirkstoff, der nicht patentierbar ist. In Deutschland ist reines Guaifenesin-Pulver in Apotheken daher sehr kostengünstig erhältlich. Dieses Pulver kann in Gelatinekapseln abgefüllt werden. So reduzieren sich die monatlichen Behandlungskosten je nach Dosierung auf unter 20 Euro.

In den USA gibt es Guaifenesinpräparate in Tablettenform, die rezeptfrei und vergleichsweise kostengünstig zum Lösen von Bronchialschleim erworben werden können. Eine Zusammenarbeit zwischen den Herstellern und Dr. St. Amand ist nicht bekannt. Ein wichtiger Baustein bei der Therapie ist der Verzicht auf Salicylate in Kosmetika. In den USA existieren diverse “Salfree”-Onlineshops, die salicylatfreie Produkte anbieten. Dr. St. Amand schreibt auf seiner Website, dass ihm die Neutralität seiner Praxis sehr wichtig ist und er aus diesem Grund keinen dieser Shops betreibt, obwohl damit durchaus ein Gewinn zu erwirtschaften wäre.

Ist die Theorie hinter der Therapie falsch?

Häufig ist zu lesen, dass die Idee hinter der Fibromyalgie-Therapie nach Dr. St. Amand - das Lösen und Ausschwemmen von überschüssigen Phosphaten aus dem Körper - falsch sei. Bisher ist es auch Dr. St. Amand nicht gelungen seine Theorie wissenschaftlich zu untermauern - beispielsweise durch den Nachweis einer erhöhten Phosphatausscheidung bei Einnahme von Guaifenesin. Dr. St. Amand betont allerdings sogar in seinem Buch, dass es sich um eine Theorie handelt, die auf Grund neuer Daten jederzeit ergänzt oder verändert werden kann - was jedoch nichts an seinem Glauben an die Wirksamkeit der Therapie ändert. In der Tat hat man beim Lesen von kritischen Beiträgen immer wieder den Verdacht, dass die Autoren die Belegbarkeit eines vermuteten Wirkungsmechanismus und eine subjektiv empfundene Heilwirkung als ein und dasselbe zu betrachten scheinen. Die Alternativmedizin ist auf weiten Gebieten erfolgreich, häufig ohne beweisen zu können oder zu wollen, wie die einzelnen Methoden genau funktionieren. Am Ende gilt für Betroffene meist der Satz “wer heilt hat recht”. Guaifenesin hat neben der schleimlösenden Wirkung diverse von der Schulmedizin unbestrittene weitere Wirkungen auf verschiedene Bereiche des Körpers. Selbst wenn die von Dr. St. Amand vermutete Phosphat-Theorie unzutreffend sein sollte, wäre es doch vermessen dem Medikament eine mögliche andere Wirkungsweise bei einer Krankheit abzusprechen, deren Auslöser nicht bekannt ist, wenn zahlreiche Betroffene von einer Besserung ihrer Symptome berichten.
Die Inhalte dieser Seite basieren auf folgenden Quellen: